Es ist als Wissenschafftler furchtbar traurig zu lesen, wie Leute die Chemie verunglimpfen. Medizin die “pflanzlich” ist, wird als gut und gesund und arm an Nebenwirkungen gesehen, während “chemische Stoffe” als böse angesehen werden und von der bösen Pharmaindustrie gemacht werden, um uns zu schaden.

Was die wenigsten Wissen a) viele der “chemischen Medikamente” kommen ursprünglich aus Pflanzen. Nur leider kommt es da häufig vor dass das Blatt einer Pflanze mal 1 mg eines Wirkstoffes enthält, und das Blatt der Pflanze daneben gar 50 mg. Aussagekräftige Studien können aber nur gemacht werden (und Effekte erzielt) wenn man Tabletten hat, in denen jeden Tag das selbe (z.B. 20 mg) drinnen ist.
Darum werden aus dem Stoffgemisch (in jedem Pflanzenbatt sind 1000e verschiedener Chemikalien drinnen) einzelne Stoffe (“Chemikalien”) aufgereinigt und auf bestimmte Gehalte in Tabletten gepresst.

b) “Natürliche” Heilmittel machen bei weitem den größten Profit für Apotheken. Antibiotika werden in der Regel fast zum selbst-kostenpreis erzeugt. Darum haben Pharmafirmen seit ca 20 Jahren keine neuen Antibiotika auf den Markt gebracht.

Medizin zu erzeugen ist extrem aufwendig. Zuerst muss ein Medikament entdeckt werden. Das “Screening” vieler verschiedener Stoffklassen geschieht oft in Mäusen. Dann gibt es Studein am Menschen, zuerst beweist man die Sicherheit (keine Vergiftung von dem Stoff bei eingesetzten Dosen), dann die Effektivität (hemmt der Stoff das Grippevirus?). Bis ein Produkt auf den Markt zugelassen wird, dauert es 12 Jahre und viele, viele Millionen Dollar (wieviele? Muss mal googlen). Im Produktionsprozess, alleine die Maschinen und Reaktoren müssen laut Gesetz gewährleisten, dass man reines Produkt bekommt. Nur am Schluss zu messen, was herauskommt (z.B: mittels HPLC) ist nicht zulässig. Wenn der Gehalt an Wirkstoff ein bisschen abweicht, muss die ganze Charge (zB Tagesproduktion oder Wohenproduktion) vernichtet werden. Das alles, um dem Konsumenten Sicherhiet zu geben, dass sein Medikament sicher und effektiv ist.

Jetzt gibt es eine Ausnahme im Medizingesetzt. “Hausmittel” dürfen frei verkauft werden. Das heißt, ich nehme eine alte Pflanze, zum Beispiel Urgerste oder Erdbeeren und schreibe darauf “altes Hausmittel gegen Husten”. Das ist völlig legal.

Was ich vor einiger Weile in einer Apotheke sah: Eine Frau kam herein und meinte “ich brauch etwas gegen Husten für mein Kind”. Der Apotheker meinte “da habe ich zum Beispiel das hier” und zeigte auf eine Packung für 9,90€ daraufhin die Frau: “ist das eher was natürliches?” “Nein, da haben wir das”, meinte der Apotheker und zeigte auf eine Schachtelhalm-Saftflasche für 25€. Sofort nahm die Frau das. Ich verkniff mir, mir an den Kopf zu greifen. Den Apotheker hats sicher gefreut – mehr Profit gemacht.

Nun bin ich keineswegs gegen pflanzliche Medizin – die meisten unserer Medizinischen Stffe wurden ja in Pflanzen entdeckt. Oftmals auch kommen in Pflanzen Wirkstoffkombinationen vor, die besser wirken als nur eine Reeinsubstanz. Aber nur weil es “natürlich” ist, das Produkt automatisch dem “chemischen” vorzuziehen ist einfach nur dumm.

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